10. April 2026
Der Elefant im Raum.
Emotions are the only reason to live.
Warum denn nicht? Ich bin diese ganze Intelligenzscheisse satt. Ständig geht es nur darum was sein könnte, was besser wäre, was falsch und was richtig ist – was ist schon richtig? Gewalt ist falsch? Harmonie richtig? Kann ich nicht Gewalt provozieren und Harmonie erzwingen? Ist es das, was wir als Menschheit wirklich wollen? Oberflächlichkeit?
Mein gesamtes Leben, jede meiner Zellen, jeder Gedanke in meinem Kopf dreht sich um diesen einen Konflikt:
Wie kann ich sein? Kann ich sein? Kann nicht sein? Wie? Nicht warum, sondern wie kann das sein? Unendliche Treue doch wütende Rebellion, wie?
Ich kämpfe gegen mich selbst doch baue ich mich mühselig auf. Wann hört das auf? Es ist, als wollte ich sterben doch selbst das Sterben sei mir nicht erlaubt. Nicht feige, sondern müde. Immer wieder suche ich Erfahrungen, die mich töten, wie ein Zyklus, als bräuchte ich genau das. Sterben und geboren werden, immer und immer wieder.
Todesangst.
Welchen Grund gibt es noch zu partizipieren, wenn man dem Tod ins Auge geblickt hat? Welchen Grund gibt es noch sich verarschen zu lassen, wenn die Vergänglichkeit nicht in ferner Zukunft liegt, sondern hier und jetzt schwelt, so wie der Elefant im Raum.
Jede unserer erfundenen Sekunden beinhaltet den Tod, der Sensenmann steht neben dir, in jedem Moment deines Lebens. Freund oder Feind? Wer weiß das schon.
Der Urgrund des Lebens ist es zu leben, es besteht kein weiterer Sinn darin. Die Frage nach dem Sinn ist ein weißes Blatt Papier, ein wunderschönes, kräftiges, du hältst die Farben in den Händen. Schreibst du? Malst du? Lässt du es weiß? Zerreißt du es? Egal was du tust, es ist immer da, es löst sich nicht auf.
Ich bin ein Tier, die einzige Wahrheit. Ich und du, mein Hund, dein Hund, wir sind Tiere. Tiere sind niemandem Rechenschaft schuldig. Ich lehne ab, was wir uns als Menschen aufgebaut haben. Ruhm, Ehre, Geld und Schuld; zeig mir, wer du wirklich bist. Ziehst du durch, wenn es hart auf hart kommt? Ist es wahr, was du über dich erzählst oder doch nur eine Geschichte, die imponieren soll. Verpuffst du in dem Moment der Wahrheit?
Wie wehrst du dich gegen den Tod?
Ich bin keine Autorität, doch lieber zerreiße ich bevor sich alle zerreißen. Es liegt mir nicht im Blut zu führen, doch kann ich nicht führen lassen, was nicht führen kann. Lieber ersticke ich den anderen im Keim, als die Qualen eines anderen ein weiteres Mal zu ertragen. Ich respektiere das Leben, die Natur, niemand hat einen Grund zu leben. Töten und Sterben sind Auswirkungen des Lebens. Wut und Angst sind Emotionen und Emotionen sind die treibende Kraft des Nicht-Sterben-Wollens.
Doch was ist, wenn das Sterben eine Motivation ist? Wenn die Seele danach schreit sich selbst zu vergessen? Würde ich körperlich sterben, so könnte ich auf seelischer Ebene nicht sterben. Denn fest verankert an den Wunsch mich zu vergessen ist der Wunsch mich zu erkennen. Tod und Geburt. Meine einzige Wahrheit.
Wie mein alter Englischlehrer zu sagen pflegte:
Ich muss garnichts, außer sterben.
Was genau ist es, das mich so fasziniert? Ist es das Dazwischen? Der Moment zwischen Tod und Geburt? Die Leere, in die ich hineinfalle, den Boden, den Punkt zu spüren, bevor ich wieder an die Oberfläche des Lebens gesogen werde? Diese undefinierbare Leere, die mir Heilung bringt. Jedes Mal. Fallschirmspringen, in die Auflösung des aktuellen Zustandes.
Wer bin ich, um anderen zu erklären was gut und richtig ist?
Wer bin ich, dass andere sich in meiner Gegenwart sicher fühlen?
Suchen sie nicht einfach nach dem Tod?
Ist es die Unsicherheit, der Elefant im Raum, die Angst vor dem Tod, die die Tiere zum Menschen macht?
Nichts an mir war je nicht extrem. Die unendliche Depression zwang mich in die Extremerfahrung. Warum? Weil die Depression ein Schmerzmittel ist. Wer nicht fühlen kann, doch fühlen will, dem bleibt nichts anderes als die Übertreibung.
Was macht ein Übertreibender, der sich für falsch hält? Er übertreibt die Depression. Sie ist nunmehr kein natürlicher Heilungsprozess, vielmehr das Opium des Abhängigen. Das Leben ist ohne die Stumpfheit der Depression nicht möglich, schwindet sie für einen Moment, dann ist es ein Spiel mit dem Glück, ob eine Eruption der Gewalt oder der Euphorie zu Tage tritt, bevor Löffel und Nadel, Scham und Verzweiflung, wieder ausgepackt, vorbereitet und die Narkose in täglicher Routine injiziert wird.
Wer gab ihm, dem Abhängigen, das Heroin?
Woher hat er nur die Idee, dass Scham ihm hilft? So sehr, dass er diese Emotion als Leitfaden für das Leben betrachtet, sich gar daran klammert.
Ist es ein natürlicher Prozess, oder ein Symptom des menschlichen Zustandes?
Mein Hund hat keine Scham. Nicht auf diese Art und Weise. Er hat ein Ego. Das Ego ist verletzlich, sowie das des Menschen, doch nichts auf der Welt hindert ihn daran zu beißen, wenn er es für richtig hält. Wer schreibt dem Hund vor, ob er wegzulaufen hat, zu beißen hat oder ob er aushalten soll? Der Mensch ist ein Tier, das vergessen hat zu leben, beschäftigt er sich aus Angst zu sehr mit seiner Vergänglichkeit. Aus Ablehnung dessen, was die einzige Sicherheit und Wahrheit der Natur darstellt, verrennt er sich in zahlreichen Wahnvorstellungen. So weit, dass selbst das Altern ihm seelische Schmerzen bereitet.
Schönheit ist durch Jugend definiert.
Erfolg durch Härte.
Glück durch ein langes Leben.
Wer das nicht glaubt, der ist allerhöchstens ein Philosoph, doch sicherlich ein Asozialer, ein Traumtänzer, eine Gefahr für das System. Ein Schatten, der einen verfolgt.
Der Elefant im Raum.
Mein Hund passt nicht in diese Gesellschaft. Ich lehne mich so weit aus dem Fenster und behaupte, dass kein Hund in diese Gesellschaft passt. Das hat nichts mit dem Hund an sich zu tun. Die Idee, der Mensch sei kein Tier, obwohl wir uns alle auf wissenschaftlicher Ebene darüber im Klaren sind, dass wir alle „Tiere“ sind, ist weiterhin fest in unseren Köpfen verankert. Damit spielen wir nur oberflächlich auf unsere (kognitive) Überlegenheit an. Darunter liegen Scham und Verwirrung. Scham für die nicht allein dem Menschen zustehende Fähigkeit sich über jemand anderen zu stellen, jemand anderen für die eigenen Zwecke zu verletzen und Verwirrung durch das Bewusstsein selbst, das durch die Gier getrieben wird alles zu besitzen, sogar das Wissen selbst.
Jeder strebt nach Kontrolle, doch ist es verpönt diese Wahrheit auszusprechen. Das Verleugnen einer sozialen Haltung, einer, die über das Überleben entscheidet, führt uns in das System, in dem wir heute leben. Das System, welches bereits zu bröckeln begonnen hat.
Die Tatsache, dass mein Hund nicht in dieses System passt, beweist nicht seine Falschheit, doch wirft es Fragen auf. Fragen, denen sich der Mensch dringlichst stellen muss.
Ich halte eine Gesellschaft, in der weder mein Hund noch ich hineinpassen für falsch. Insbesondere, da es sich heute um eine Gesellschaft handelt, die sich Begriffe wie „Inklusion“ und „Verständnis“, „Love is Love“ und weiteres auf die Fahnen schreibt. Was hier passiert ist die größte, offensichtlichste, unverschämteste Lüge, die ich mir vorstellen kann. Denn nie waren Verbote und Kontrolle so sehr geliebt wie jetzt.
Freiheit ist denen vorbehalten, die den Tod nicht fürchten.
Der Vorhang lüftet sich, was wir auf der Weltbühne sehen, ist die reine Wahrheit. Unmenschlichkeit.
Die einen hoffen auf „das Gute im Menschen“ und folgen aus blinder Selbstaufgabe tyrannischen Herrschern. Ein Lob und die Welt ist fein. Die anderen akzeptieren die Dinge wie sie sind, sich und die Natur der Dinge.
Eine Gesellschaft die das Töten-Wollen leugnet verliert gegen die Tötenden. Das ist das Gesetz der Natur. Fressen oder gefressen werden. Jeglicher Versuch die Natur als rein liebendes Konzept, in dem der Mensch ausschließlich Ruhe finden soll, darzustellen, ist ein weiterer Schritt in Richtung Entfremdung von der eigentlichen und der eigenen Natur. Kein aufgesetzter Meditations-, Yogakurs oder sonst ein Angebot zur Erleuchtung kann lehren was die Natur ist. Sie ist ausschließlich erfahrbar.
Ich gebe zu, ich finde eine tiefe Ursicherheit in der Natur. Nichts auf dieser Welt fühlt sich so gut an, ich liebe sie wohlwissend, dass sie der Grund für mein Leid ist. Ich könnte weiter in romantisch-melancholischer Weise über das Leben sinnieren, doch zögerte ich damit nur die Nennung aller Tatsachen hinaus:
Komm klar.



