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10. April 2026

Nicht dein Haus, nicht dein Auto, auch nicht dein Hund.

Neben all der Arbeit an selbstzerstörerischen Mustern, das Verarbeiten gemachter Erfahrungen und der Ich-Findung, bleibt eine Frage offen. Eine, die sich die Gesellschaft heute nicht mehr stellt.

Woran wollen wir glauben?

Zugegeben, mein christlicher Glaube war genau in dem Moment verflogen, als ich mich mit elf Jahren fragte Wenn es einen Gott gibt, wieso macht er dann so viel Leid in der Welt? Ab diesem Moment befand ich mich auf einer nihilistischen Spirale  in die unermesslichen Weiten der  Sinnlosigkeit. Ich lehnte erst die Idee eines einzigen großen Gottes ab, andere Weltreligionen waren nichts weiter als abstrakte Geschichten einer chaotischen Menschheit, später lehnte ich jegliche Form der Spiritualität in ihrer Gänze ab. Ich konzentrierte mich darauf möglichst viele wissenschaftliche Beweise zu finden, dass der Körper, die Psyche, nichts weiter ist als Hardware, die versehentlich eine Art Bewusstseinssoftware entwickelt hat, weil es sich im Überlebenskampf der Evolution einfach so ergeben hat.

Das Menschsein ist ein schmaler Grad zwischen Realität und Eigenwahrnehmung. Während ich meine Pubertät damit verbrachte jeglichen Sinn des Lebens in sorgfältiger Detailarbeit durch rationalistisches Denken zu vernichten und eine ganze Menge Gras zu rauchen, begann ich zu verstehen, dass es den einen Sinn im Leben gar nicht gibt, besser noch, dass ich überhaupt keinen Sinn im Leben habe. Statt mich tief in die Sinnlosigkeit des Seins zu vertiefen und der, mich seit Kindesbeinen begleitendenden, Depression freien Raum zur Entfaltung zu geben, geschah das Gegenteil.
Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.
Nun muss ich dazu sagen, dass ich in meinem Leben bereits mehrere Male gestorben und wiedererwacht bin, man kann dies Spiritualität oder Geisteskrankheit nennen, wie man mag, doch schöpfte ich aus jedem Tiefpunkt wie aus dem Nichts neue Motivation mein Leben gar nicht zu beenden, sondern neu auszurichten. Wie ein einst Ungläubiger zu Gott findet, fand ich zum Leben, doch wurde ich nie zum religiösen Fanatiker, der dem Allmächtigen seine Rettung zuspricht.
Beschäftigt man sich mit dem Menschsein, so findet man wenig Gründe der Welt eine Mystik zuzuschreiben. Es scheint eher der Wille zu Glauben zu sein, der uns dazu verleitet unerklärten Phänomenen eine göttliche, oder geisterhafte Geschichte anzudichten.

Nun, im Alter von 25 Jahren finde ich mich in dieser gottverlassenen Welt wieder. Was ich jahrelang in meinem Kopf austrug, wurde in diese Welt geboren wie ein unschuldiges, aber wahrlich hässliches Kind. Der Mensch, angewiesen auf Sinn und Bedeutung, ist vernarrt in die Idee, dass nichts Bedeutung in sich trägt und somit auch keinen echten Wert besitzt. Das verleitet ihn zu unsagbaren Missetaten. Die schlimmste davon ist, sich selbst keinen Wert zu geben. Schutzlos ist der nackte Affe der Gnadenlosigkeit der Natur ausgeliefert. Das Wissen um jegliche Zusammenhänge macht ihn paranoid, sodass er sich in seiner Höhle verschanzt. Draußen lauert der Tod, so bewerkstelligt er für sein Überleben die sicheren vier Wände nie wieder verlassen zu müssen. Er erfindet einen Ersatz-Menschen, der ihm selbst die Last des Denkens abnimmt, sodass er sich auf die einig richtige Freude des Lebens konzentrieren kann:

Konsumieren.

Selbst der Sex scheint ihm zu gefährlich, muss er dafür doch tatsächlich das Haus verlassen, mit einem anderen Affen reden. Die Angst davor nicht gemocht zu werden motiviert ihn dazu, sein Haus noch schöner, noch größer zu gestalten. Ja, das aufrecht gehende Säugetier hat erreicht, was er glaubt das Ziel einer jeden Art ist:
Unbegrenzte Ressourcen.
Nur, dass diese nicht wirklich unbegrenzt sind. Ein Glück muss er nun, da er einen Ersatz-Menschen geschaffen hat, nicht über die nahende Ausrottung seiner Art nachdenken. Das macht die Maschine sowieso viel besser als er.

Alle Religionen der Welt entspringen aus dem Menschsein selbst, jegliche von ihnen ausgehenden Dogmen sind lediglich ein Sinnbild dafür, wie engstirnig der nackte Affe sein kann. Also sitze ich im März bei Sonnenschein, Sencha und Jazz an meinem blau gestrichenen Gartentisch und denke daran, wie komisch es doch ist, dass der Mensch genau das ablehnt, was ihm die Sicherheit gibt, nach der er so jämmerlich giert.

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